Luther jazzt

Märkische Allgemeine vom 23.10.2017

Auszüge:

Krangen. Im Reformationsjahr steht die Musik Martin Luthers verstärkt im Fokus kirchlicher Aufmerksamkeit. Einer der selteneren Interpretationsformen von Luthers Liedern widmet sich das Trio Bending Times. Wer am Freitagabend die Krangener Dorfkirche besuchte, erlebte ein ganz besonderes Konzert und konnte feststellen, dass Jahrhunderte alte Choräle keineswegs verstaubt und langweilig daher kommen müssen. Trotz ihrer Kraft können sie gleichzeitig beschwingt sein und von einer großen Leichtigkeit.

Den Beweis traten am Freitag Abend in Krangen drei junge Männer mit ihrem Lutherprogramm an. Christian Grosch am Piano, Toralf Schrader am Kontrabass und Enno Lange am Schlagzeug spielten neue Jazzbearbeitungen von Luthers Chorälen.

„Mir wird oft die Frage gestellt, wie man denn daraus Jazz machen könne“, sagt der freischaffende Musiker Christian Grosch, von dem die Arrangements der Stücke stammen. „Dabei ist das gar nicht so schwierig, es steckt eigentlich schon in den Chorälen drin“, sagt der 1981 geborene freischaffende Musiker.

Durch sein breites Ausbildungsspektrum ist Christian Grosch in vielen musikalischen Stilistiken zu Hause, betätigt sich in Konzerten als Pianist, Organist, Komponist, Sänger und wie in Krangen auch als sympathischer Moderator, der die Zuhörer mit viel Sachverstand in die Welt des großen Reformators hineindirigierte. Zu hören gab es nicht nur Bearbeitungen bekannter Choräle wie „Ein feste Burg ist unser Gott“, „Gelobet seist du, Jesu Christ“ und „Verleih uns Frieden gnädiglich“, sondern auch Texte über den Krieg, den Frieden und den Tod. Neu war sicher für viele Zuhörer die Tatsache, dass Luther auch Fabeln geschrieben hat, wie die Geschichte von der Stadtmaus und der Landmaus, die schließlich zu der Erkenntnis führt, „Wer reich ist, hat viel Sorgen“.

Luther und Jazz – für viele Besucher sicher eine ungewohnte Kombination. Für Christian Grosch, der mit seinen Band-Kollegen seit 2010 die unterschiedlichsten Programme erarbeitet hat, ist das eher naheliegend. Der Umgang mit den historischen Vorlagen und die stilistische Vielfalt der Arrangements scheinen ihm Recht zu geben und beweisen, dass der junge Mann sein Handwerk versteht. „Oft setze ich mich einfach ans Klavier und höre in mich hinein“, sagt er. „Dann spürt man auch, dass schon ganz viel in den Melodien selbst steckt. Die Rhythmik in der Renaissance und im Frühbarock war oft bereits sehr tänzerisch.“

Dass die experimentierfreudigen und musikalisch nahezu grenzenlosen Jazzadaptionen geistlicher Kompositionen auf Gegenliebe stießen, das bewies der kräftige Beifall der Zuhörer. Das Konzert war eines der vielen musikalischen Höhepunkte des evangelischen Kirchenkreises, die in diesem Jahr in der Reihe Himmelston und Erdenklang stattfanden.

Von Cornelia Felsch

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>